Archiv für Oktober 2008

Donnerstag, 23.10.2008 // Nachbereitung der Nachttanzdemo 2008 // KOZ Festsaal

Am Donnerstag, dem 23. Oktober um 20 Uhr findet eine öffentliche Nachbereitung der Nachttanzdemo 2008 im KOZ-Festsaal auf dem Uni-Campus Bockenheim statt. Neben einem Rückblick auf der Verlauf der Demonstration in der Nacht zum 3. Oktober soll das Konzept der Demo erläutert und eine politische Einschätzung in Bezug auf die Aushöhlung des Versammlungsrechts gegeben werden. Getreu dem Motto »Nach der Demo ist vor der Demo« soll daraus resultierend gemeinsam die Frage nach dem »Wie geht es weiter?« gestellt werden.

Musikalischer Nachruf zur Nachttanzdemo

Ein musikalischer Nachruf des könICHreichs zur Nachttanzdemo 2008. mp3-Datei folgt noch…

Pressespiegel

Im Moment wird der Pressespiegel überarbeitet und aktualisiert. Wenn Ihr noch etwas Geduld habt, dann könnt Ihr unter der Rubrik Pressespiegel eine chronologische Auflistung der bisher erschienenen Artikel einsehen. Auch die bisjetzt fehlenden Artikel ab dem 4. Oktober werden noch online gestellt. Es loht also nochmal vorbeizuschauen.

Leserbriefe

Frankfurter Rundschau, 07.10.2008

Nachttanzdemo endet mit Scherben und Krawallen, FR vom 4. Oktober

Ja, es war nicht geschickt von den Organisatoren der Veranstaltung ihre Namen aus privat-rechtlichen Gründen nicht bekannt zu geben. Und ja, es war nicht geschickt von einigen Demonstranten ihre Aggressionen gegenüber der Staatsgewalt auszuleben und ja, es gab auf der Nachttanzdemo, wie auf jeder anderen auch, Demonstranten, welche schon mit einem starken Drang nach körperlicher Gewalt antraten.

Doch nein! Die Polizei reagierte trotz allem weder feinfühlig, noch kooperativ als Freund und Helfer, noch gerechtfertigt!

Lang bevor am Donnerstag Abend die ersten „Gewaltbereiten“ ihrer Aggression freien Lauf ließen, sperrten unsere Freunde und Helfer zum Wahren der öffentlichen Sicherheit jegliche Fortführungsmöglichkeiten der eigentlich friedlichen Demonstration ab und zwangen so die Demonstranten in der Gutzkowstraße zu verweilen. Zum Ärger der Anwohner wie der Demonstranten.

Nie hatte ein einziger der Beführworter der Nachttanzdemo gewollt, dass über einen längeren Zeitraum hinweg die Nachtruhe einzelner Bewohner einer bestimmten Straße gestört würde.

Nie hat ein einziger Demonstrant sich etwas mehr gewünscht, als dass diese Demonstration friedlich abläuft.

Doch wenn bei einer Veranstaltung unter dem Titel „Gegen die Privatisierung des öffentlichen Raumes“ kein Raum mehr frei zugänglich ist und mehr denn je das Gefühl von Staatsgewalt und Unterwürfigkeit vermittelt und verlangt wird, dann muss diese Staatsgewalt sich nicht wundern, wenn der eine oder andere Demonstrant ärgerlich wird. Gewalt ist nicht zu entschuldigen, Engstirnigkeit ebenso wenig. Ich selbst habe mich nie als antideutsch oder „Bullerei-Verachterin“ verstanden, doch der Aufruf, „den Schweizer Platz nach Polizeigebot bitte umgehend zu verlassen“ hat auch mich aufgebracht und verletzt.

Von einem öffentlichen Platz verwiesen zu werden hat mit Freiheit rein gar nichts zu tun. Und Einigkeit wird durch so etwas auch nicht erlangt. Von gleichem Recht für alle brauchen wir nicht zu sprechen in Erinnerung an die hermetisch abgeriegelte Grundsicherung der NPD-Veranstaltung im vergangenen Jahr.

Warum ausgerechnet ein Redakteur der Frankfurter Rundschau davon überzeugt ist, dass die Demonstranten den ersten Stein warfen, bleibt mir rätselhaft. Denn der erste Stein kam, in Worten und Taten, von der ausführenden Gewalt unserer Nation.

Merve Fritsch, Frankfurt

Gesungen, gelachtund getanzt

Eigentlich sollte die groß angekündigte Nachttanzdemonstration in Frankfurt stattfinden. Ich schreibe „sollte“, da das Musikwagenaufgebot durch die Repressalien der Politik relativ klein war und zudem die Polizei durch ihren provozierenden Einsatz dafür gesorgt hat, dass der Zug knapp 1,5 Stunden an derselben Stelle stand, eingekesselt war und sich insgesamt nur knapp 500 Meter vom Ausgangspunkt entfernt hat.

Bis die Polizei völlig grundlos die Demonstration gestoppt und eingekesselt hat, verlief alles friedlich und unkompliziert. Rund um mich herum wurde gesungen, gelacht und getanzt. Erst nachdem man dann eingekesselt wurde, wurden einige ausfallend.

Meiner Meinung nach war das von langer (CDU)-Hand geplant und sollte haargenau so ablaufen. Die Demonstranten schon vorher schikanieren, dann grundlos einkesseln und warten, bis nach äußerst langer Zeit jemand ausrastet. Und dann schön mit Knüppeln etc. die Veranstaltung auflösen.

Zudem sollten sich mal alle Bürger fragen, in wie weit solch ein Überaufgebot der Polizei bei so einer Veranstaltung von Nöten ist und warum die Polizei in gefährlichen Situationen nichts unternimmt, sondern lieber einen Teenager mit 13 Beamten abführt.

Mathias Mank, Frankfurt

Ballkrawall als Rache für „Prügelorgie“

Frankfurter Rundschau, 07.10.2008

Die Veranstalter der Nachttanzdemo haben die Krawalle beim Ball der Polizei begrüßt. „Die Annahme, man könne in Ruhe feiern, nachdem man zwei Nächte zuvor als Handlager des Ordnungsdezernten Volker Stein und unter Führung des Polizeipräsidenten Achim Thiel eine bis dahin friedliche Nachttanzdemo durch eine Prügelorgie auflöste“, sagte Matthias Schneider vom Nachttanzdemo-Bündnis am Montag, „und dabei zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Teil schwer verletzte, ist ein Trugschluss.“

So lange das Ordnungsdezernat und die Polizei aus dem Einsatz in der Nacht zum 3. Oktober keine Konsequenzen zögen, „muss die Stadt davon ausgehen, dass kontinuierlich weiter Aktionen stattfinden werden“, so Schneider weiter.

Etwa 25 vermummte Gestalten hatten m Samstagabend versucht, den Ball der Gewerkschaft der Polizei (GdP) zu sprengen. Sie betraten das Foyer des Titusforums in der Nordweststadt, warfen einige Tische um und leerten Blumenkübel aus.

Die Revolution fand jedoch ein jähes Ende, als einige im Foyer befindliche GdPler die Randalierer kurzerhand an die frische Luft setzten. Verletzt wurde niemand.

Die Polizei vermutet, der Vorfall sei eine „Reaktion auf die am Donnerstagabend durch die Polizei aufgelöste Nachttanzdemo“. Bei der hätten „meist betrunkene Teilnehmer“ dermaßen randaliert und gegen die Auflagen verstoßen, dass man dem ein Ende hatte setzen müssen.

Ordnungsdezernent Volker Stein (FDP) dankte der Polizei am Sonntag für ihr „kluges und rechtzeitiges Eingreifen“ am Donnerstagabend. Er sehe sich in seiner Einschätzung bestätigt: „Die Nachttanzdemo ist keine politische Kundgebung.“ Sinn der Veranstaltung sei gewesen, den Tag der deutschen Einheit „zu desavouieren“, sagte Stein. skb/geo