FFM: Nachttanzdemo meets „Ball der Polizei“

de.indymedia.org, 05.10.2008

2 Tage nach der Nachttanzdemo in Frankfurt am Main, die am Donnerstagabend von der Polizei bereits nach 100 Metern brutal zusammengeprügelt und aufgelöst worden war, luden die Einsatzkräfte zum so genannten „Ball der Polizei“. „Diese Veranstaltung ist ein Zumutung für die Gesellschaft“ meinte ein empörter Passant.
Zeitgleich kam es am frühen Samstagabend – als Reaktion auf die unverhältnismäßigen Polizeiübergriffe auf die Nachttanzdemo – zu einer spontanen Versammlung vor der Veranstaltung der Polizei.
Ziel war es, nach der von der Polizei ausgelösten Randale von Donnerstagabend, bei diesem erneuten Zusammentreffen mehrerer hundert Polizist_innen durch frühzeitiges Eingreifen einen erneuten Gewaltexzess zu verhindern. Passanten wurden mit Flugblättern über die polizeilichen Übergriffe auf die Nachttanzdemo informiert. Deutlich wurde, warum nach dem Gewaltexzess vom Donnerstag eine erneute Zusammenkunft der Frankfurter Polizei zwingend zu unterbinden sei.

Als den Teilnehmer_innen bis 20.00 Uhr immer noch keine Verantwortlichen für den so genannten „Ball der Polizei“ genannt waren, sahen sich die etwa 50 Teilnehmer_innen zum Einschreiten gezwungen und gingen in den Veranstaltungssaal.

«Nach Donnerstagabend mussten wir das Gewaltpotential unter den Besuchern dieser Veranstaltung als besonders hoch einschätzen», so eine Demonstrantin.

Als die Demonstranten im Veranstaltungssaal erschienen und ihr Transparent „Keine Freunde – keine Helfer! Gegen Polizeigewalt und Repression!“ zeigten, kam es zu Auseinandersetzungen. Die zum Teil stark alkoholisierten Besucher_innen des so genannten „Ball der Polizei“ versuchten die Demonstrant_innen zurückzudrängen, diese hatten die Lage aber schnell unter Kontrolle. Die Veranstalter des Balls forderten über die Lautsprechernalage dazu auf, den Anweisungen der Demonstrant_innen nicht Folge zu leisten, woraufhin von Seiten der Demonstrant_innen konsequente Platzverweise ausgesprochen wurden.

«Es war nur ein kleiner Teil von Gewaltbereiten, wovon etliche stark angetrunken waren», sagte die Sprecherin der spontanen Demonstration. «Es gab bei diesem Ball einfach kein anderes Ziel, als Randale zu machen», bewertete die Sprecherin die Veranstaltung weiter. Damit habe sich auch gezeigt, dass «es richtig gewesen ist, Auflagen zu machen.»

Ein Teil der Besucher war sofort aufgesprungen als das Transparent zu sehen war. Ein Zeuge meinte zum Verhalten der Besucher des so genannten „Ball der Polizei“: «Denen ging es nur um Randale».

Um weitere Auseinandersetzungen zu unterbinden zogen sich die Demonstrant_innen geordnet zurück, dabei kam es zu Sachbeschädigungen im Gebäude.

Die Sprecherin bedauert, «dass sich die Besucher ihre eigene Veranstaltung selber kaputt gemacht haben. Ich hoffe auf eine baldige Genesung der zahlreichen verletzten Demonstrationsteilnehmer_innen von Donnerstagabend. »

Zur Dokumentation folgt nun der Text, des verteilten Flugblattes:

„Die Nachttanzdemo 2008 fand Donnerstagabend als ausgelassen feiernde Demonstration – wie angekündigt nicht im von der Stadt vorgegebenen Rahmen – statt. In der Gutzkowstraße wurde die Demo gestoppt, das Angebot aus Reihen der Demonstranten die Demo in Absprache mit den Einsatzkräften – aber ohne die bereits im Vorfeld abgelehnten Auflagen – durchzuführen um einen friedlichen Verlauf der Nachttanzdemo sicherzustellen wurde von der Polizei abgelehnt. Stattdessen wurde die Demo von dieser für beendet erklärt und anschließend brutal aufgelöst und zusammengeschlagen. BFE-Einheiten prügelten sich unter Einsatz von Pfefferspray und Schlagstock durch den Demonstrationszug. Anschließend wurde einer der Lautsprecherwagen gestürmt und verwüstet, die Scheibe an der Fahrerseite eingeschlagen und der Fahrer mit Pfefferspray attackiert. Zahlreiche Demonstrationsteilnehmer_innen sind verletzt, und Stadt und Polizei haben wieder einmal bewiesen wofür – oder besser gesagt wogegen – sie stehen. Die Demonstration für linke und unkommerzielle Freiräume und gegen Deutschland am Abend vor dem „Tag der deutschen Einheit“ wurde auf brutale Art und Weise und mit völlig unverhältnismäßigem Gewalteinsatz verhindert und zusammengedroschen.
Die Eskalation wurde von Stein/Thiel bereits im Vorfeld betrieben und am Donnerstagabend gezielt gesucht. Daran ändern auch ihre zynischen Schuldzuweisungen an die verletzten Demonstran_innen nichts. Dass die Polizei auch anders kann, hat sie mehrfach bei den verschiedenen Nazi-Aufmärschen in Frankfurt gezeigt. Für uns ist das Ende der Geduld erreicht: Stein und Thiel müssen weg! Mit ihnen, die Politik für die sie stehen! Wenn die Polizei die Nachttanzdemo verhindert und zusammenknüppelt und sich dann 2 Tage später zu ihrer eigenen Party (Ball der Polizei) trifft, ist völlig klar: nicht ohne uns!“