Archiv der Kategorie 'Pressespiegel'

Vermummte stören Polizei-Ball

Reaktion auf Nachttanzdemo

HR-Online, 05.10.2008

Etwa 25 Personen haben beim Ball der Gewerkschaft der Polizei am Samstagabend randaliert. Sie warfen Tische um und leerten Blumenkübel aus.

Der jährliche Ball fand dieses Mal im Titusforum der Frankfurter Nordweststadt statt. Wie die Polizei mitteilte, seien etwa 25 vermummte Personen in das Foyer des Forums eingedrungen. Dort hätten sie Tische umgekippt und Blumenkübel ausgeleert.

Der Gruppe sei es allerdings nicht gelungen, in den eigentlichen Ball, der im 1. Stock des Forums stattfand, vorzudringen. Einige Mitglieder der Polizeigewerkschaft hätten die Störer aus dem Foyer gedrängt.

Reaktion auf Nachttanz

Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Frankfurt sagte hr-online, der Vorfall sei eine Reaktion auf die eskalierte Nachttanzdemonstration in der Nacht von Donnerstag auf Freitag. Dies ergebe sich aus Äußerungen von einigen der Vermummten. Details nannte der Sprecher nicht.

Bei der Nachttanzdemonstration war es zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei gekommen. Die Veranstalter des Nachttanz warfen der Polizei „unverhältnismäßige Gewalt“ vor. Die Polizei verwies darauf, dass die Demonstranten die genehmigte Route des Nachttanz verlassen hatten.

Manöverkritik

Daraufhin habe auch der von den Demonstranten bestimmte Versammlungsleiter sich entschlossen, die Leitung der Nachttanzdemo abzugeben, hieß es weiter. Der Polizeisprecher sagte, die Polizei werde sich im Laufe der Woche mit dem Nachttanz befassen und das eigene Vorgehen kritisch prüfen.

25 Vermummte besuchen Polizei-Ball

Nachttanzdemo in Frankfurt

Frankfurter Rundschau, 05.10.2008

Frankfurt/Main. Etwa 25 vermummte Personen haben am Samstagabend den Ball der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Frankfurt zu stören versucht. Die meist jungen Menschen hätten das Foyer des Titusforums betreten, einige Tische umgeworfen und Blumenkübel ausgeleert, teilte die Polizei am Sonntag mit.

Der Übergriff sollte der Polizei zufolge die Reaktion auf die am Donnerstagabend durch die Polizei aufgelöste Nachttanzdemo sein. Mehrere Vermummte hätten sich entsprechend geäußert, sagte ein Polizeisprecher. Einige im Foyer anwesende GdP-Mitglieder drängten die Vermummten aus dem Gebäude. Der Ball im ersten Stock des Titusforums wurde nicht gestört.

Bei der Frankfurter Nachttanzdemo war es am Donnerstagabend zu schweren Ausschreitungen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Sieben Polizisten waren leicht verletzt worden, elf Personen wurden vorübergehend festgenommen. Es gab auch zahlreiche verletzte Demonstranten. Die Polizei setzte Schlagstöcke und Reizgas ein. (ddp)

Polizei löst Nachttanzdemo auf

Junge Welt, 04.10.2008

Frankfurt/Main. Am Donnerstag abend hat die Polizei mit einem Großaufgebot in Frankfurt am Main eine Nachttanzdemo für Freiräume aufgelöst. Der Startpunkt war kurzfristig verlegt worden, »um unangemeldet und ohne die zuvor von der Stadt verhängten, inakzeptablen Auflagen zu demonstrieren«, erklärten die Organisatoren am Freitag in einer Pressemitteilung. Nach etwa hundert Metern sei der Zug demnach von der Polizei gestoppt worden Anschließend sei die Straße äußerst brutal mit Schlagstock- und Pfeffersprayeinsatz geräumt worden. Es habe zahlreiche Verletzte gegeben. (jW)

»Die Polizei hat sich durch den Zug hindurchgeprügelt«

Junge Welt, 04.10.2008

Die Nachttanzdemo in Frankfurt am Main wurde brutal aufgelöst. Möglicherweise mehrere Schwerverletzte. Ein Gespräch mit Max Behnke

Interview: Gitta Düperthal

Max Behnke hat an der Nachttanzdemo in Frankfurt am Main teilgenommen

Zur Frankfurter Nachttanzdemo von Donnerstag zu Freitag gibt es widersprüchliche Berichte. Die Polizei teilt mit, aus der Demonstration heraus sei mit Flaschen auf Beamte geworfen worden. Die Demoleitung hingegen berichtet, ihrer Kenntnis nach seien diese auf die Straße geworfen worden. Eine Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) der Polizei habe provoziert. Wie haben Sie das Geschehen erlebt?
Die Polizei hat den Zug schon nach 100 Metern gestoppt. Ich habe mitbekommen, wie Vermittler aus den Reihen der Teilnehmer versucht haben, Gespräche mit der Polizei zu führen – vergeblich. Die Demonstration hat dann in Sachsenhausen in der Gutzkowstraße angehalten. Es wurde bis gegen 23.00 Uhr weiter gefeiert, die Stimmung war ausgelassen und fröhlich. Musik wurde gespielt, und von den Lautsprecherwagen kamen Durchsagen: Es gehe darum, die Nachttanzdemo mit den rund 1400 Teilnehmern friedlich und tanzend fortzusetzen. Es gab vereinzelt zwar Flaschenwürfe, das muß aber eher harmlos gewesen sein. Ich habe nicht gesehen, daß Beamte getroffen wurden. Von den Lautsprecherwagen aus wurde immer wieder versucht, eine Eskalation zu verhindern. Die Polizei ist dann plötzlich in die Demonstration hineingestürmt. Mit Schlagstöcken und Pfefferspray hat sie sich bis zum ersten Lautsprecherwagen durchgeprügelt.

Es soll drei durch Schlagstöcke schwer verletzte Demonstranten gegeben haben sowie zahlreiche mit Prellungen, Blutergüssen und Augenreizungen. Die Polizei meldete 19 durch leichte Prellungen verletzte Beamte sowie zwei beschädigte Polizeifahrzeuge. Wie kam es Ihrer Ansicht nach zu dieser Eskalation?
Im Vorfeld hatte der Ordnungsdezernent Volker Stein (FDP) die Demonstration als »Zumutung« bezeichnet und die Teilnehmer als »alkoholisiert und gewaltbereit« diffamiert. Auch durch die Auflagen des Ordnungsamtes, unter anderem, daß die Nachttanzdemo nur bis 1.00 und nicht bis 3.00 Uhr nachts stattfinden sollte, war die Stimmung aufgeheizt. Durch die Äußerungen Steins hatten wir sehr genau mitbekommen, daß der Zug mit fadenscheinigen Auflagen als politische Demonstration verhindert oder zu einem von der Polizei begleiteten Abendspaziergang umgestaltet werden sollte. Insofern kann man sagen, daß die Eskalation nicht erst in der Nacht begonnen hat – diese Linie wurde jedoch fortgesetzt, indem die friedliche Demonstration brutal aufgelöst wurde.

Die Polizei sprach von etwa 20 Vermummten …
Die trugen Gesichtsmasken des Ordnungsdezernenten Stein, gedacht als witzige Reaktion auf sein Verhalten. Die Polizei hat das offenbar gezielt mißverstanden, um eine Bedrohung zu unterstellen. Wir waren entschlossen, die Nachttanzdemo in jedem Fall als Kampf für unkommerzielle Freiräume durchzuführen und uns die Stadt an diesem Abend tanzend zurückzuerobern, so wie es ursprünglich gedacht war. Demonstranten haben sich erst nach den brutalen Übergriffen zur Wehr gesetzt – auch mit Flaschenwürfen auf die prügelnden Polizeieinheiten.

Wie beurteilen Sie die Berichterstattung der lokalen Presse?
Es ist ein starkes Stück, was uns da an Falschdarstellungen zugemutet wird. Der Polizeibericht wurde eins zu eins übernommen, obgleich er nicht den Tatsachen entspricht. Ominöse Zeugenaussagen wurden aus dem Hut gezaubert, wie beispielsweise »denen ging es nur um Randale«. Wie ich beobachten konnte, ging die Eskalation von der Einsatzleitung aus. Im amtlichen Bericht wird der Polizeipräsident Achim Thiel mit den Worten zitiert, er bedaure, daß sich die Teilnehmer ihre eigene Veranstaltung kaputtgemacht hätten. Das ist eine Frechheit. Der Polizeipräsident trägt die Verantwortung dafür, daß eine friedliche Demonstration brutal aufgelöst wurde.

Polizei zerprügelt Nachttanzdemo

Auszeit-News, 03.10.2008

Unter dem Motto “Deutschland den Schlaf rauben! Die Verhältnisse zum Tanzen bringen!” versammelten sich am Abend des 2. Oktobers etwa 1000 Menschen vor dem Frankfurter Südbahnhof zur Nachttanzdemo 2008. Bereits im Vorfeld gab es harte politische Auseinandersetzungen mit dem städtischen Ordnungsamt und der Polizei (Pressemitteilung der Veranstalter).
Aus diesem Grunde wurde die Ursprünglich angemeldete Demo im laufe des Freitags abgemeldet, lediglich eine Kundgebung vor dem Südbahnhof wurde angemeldet. Dort versammelten sich die Leute und liefen dann zum nahegelegenen Schweizer Platz, wo bereits einer der Lautsprecherwagen wartete. Von hier aus sollte es dann in einer unangemeldeten Demo über die zuvor ausgehandelte Route in die Innenstadt gehen. Exzellent organisiert, formierte sich der Zug schließlich mit 3 Wagen (ein Wagen wurde zuvor ohne Angabe von Gründen von der Polizei beschlagnahmt) und die Party begann.
In der Gutzkowstraße versperrte die Polizei dann nach wenigen Metern den Weg. Die Leute feierten ausgelassen weiter, jeder rechnete damit dass sich nach kurzer Verhandlungszeit die Demo wieder in Bewegung setzen würde. Doch nach etwa einer Stunde kam die erste Durchsage von Seiten der Ordnungskräfte, dass die Versammlung nun aufgelöst sei, für alle Beteiligten wurde ein Platzverweis für die komplette Innenstadt ausgesprochen. Als Begründung wurde aufgeführt, dass Polizisten mit Flaschen Beworfen worden seien und die Sicherheit nicht mehr gewährleistet werden könne. Die meisten Menschen bekamen von der Durchsage (und angeblichen Flaschenwürfen) erstmal überhaupt nichts mit, die Stimmung war trotz des langen Stops ausgelassen und friedlich, mit einer möglichen Räumung rechneten wohl die wenigsten.
Die Polizei riegelte in der Zwischenzeit angrenzende Seitenstraßen ab und forderte noch zweimal dazu auf den Platz “in alle Richtungen zu verlassen”, was faktisch unmöglich war. Schließlich kam auch vom Lauti die Durchsage dass wohl gleich geräumt werden würde, einige Leute bewegten sich deshalb vor den ersten Wagen um diesen zu schützen. In diesem Moment begann dann die “Auflösung” der Versammlung, bei der die BFE-Einheiten mit extremer Brutalität in Form von massivem Pfefferspray-und Knüppeleinsatz auf die Leute losgingen. Dabei wurden die Scheiben des ersten Wagens eingeschlagen und die Technik beschädigt, ebenso wurden parkende Autos durch Polizisten beschädigt. Die Menge geriet in Panik, zahlreiche Verletze konnten nur Notdürftig versorgt werden da die Räumung vorangetrieben wurde.


Foto: FR/Kraus

Es bildeten sich mehrere Spontandemozüge, die sich jedoch nicht mehr zu einem neuen Demozug formieren konnten.
„Stadt, Ordnungsamt und Polizei tragen die volle und alleinige Verantwortung für die Eskalation des Konfliktes – angefangen bei den Polizeiübergriffen im letzten Jahr“, so der Sprecher des Vorbereitungsbündnis in einer Pressemitteilung, die noch im laufe der Nacht veröffentlicht wurde.